18.06.2009

Impfösen: welche sind zu empfehlen?

Auch über kleine Dinge im Labor wie Impfösen kann man ins Grübeln kommen.
Bei Besuchen in Praxen sehe ich viele verschiedene Arten von Ösen, und ich werde auch gelegentlich mal gefragt nach Bezugsquellen. Daher mal ein paar Kommentare zu der Auswahl von Ösen.


1. Frage: Metall oder Kunststoff?

Noch vor einigen Jahren waren Metallösen an der Tagesordnung. Sie wurden vor und nach jeder Verwendung ausgeglüht. Das muss dann auch ordnungsgemäß geschehen, nämlich indem man die Öse ziemlich senkrecht in der heißen Flamme hält und nachher noch einmal locker die ganze Öse mit Metallhalter durch die Flamme zieht (Abflammen). Dazu braucht es dann in der Tat einen Bunsenbrenner, in der Regel ein Brenner ohne Festleitungsanschluss, betrieben mit Gaskartuschen wie sie auch für Campingkocher verwendet werden.

Persönlich schwöre ich nur noch auf Kunststoffösen. Die sind nicht unbedingt preiswert, weil sie ja nach der Herstellung noch einmal per Gammabestrahlung sterilisiert werden. (Meines Erachtens wäre dieses Extrasterilisieren gar nicht nötig, falls die nach dem Gießen sauber abgepackt werden.)
Insbesondere für das Aufbringen von Urin (oder sonstigen Proben) auf Platten, wo man die Ösen gleich griffbereit zur Hand haben möchte, kann ich mir Metallösen nicht mehr gut vorstellen. Was Anderes wäre es, wenn man in einer Praxis oder einem Labor eine ganze Zeit nacheinander Mikrobiologe macht, zum Beispiel Antibiogramme, Subkulturen usw. anlegt und so weiter. Dann könnte man eventuell in der Zeit auch eine Metallöse zum Ausglühen verwenden.
Zu vermeiden ist auf jeden Fall, dass man auf Grund des Anlegens von Urinen, so wie die gerade geliefert werden, ständig den Brenner aus und anmachen muss. Und Anlassen ist auch keine Lösung, denn dann verbrauchen sich die Kartuschen recht schnell, und außerdem wird die Luft verpestet. Zudem… in einem engen Labor könnte man auch aus Versehen in die Flamme langen.

Bei Metallösen hat man wieder die Wahl zwischen Platin- oder Stahlösen.

Stahlösen sind preiswert, verbrauchen sich aber, da sie nach dem stetigen Ausglühen rostig, schartig kantig werden. Für eine Keimzahlbestimmung, wo es auf genaue Mengen ankommt, sind sie daher auch nicht geeignet. Platinösen sind teurer, aber unverwüstlich. Man kann sie unendlich oft ausglühen, ohne dass sich das Metall verändert. Es ist ja auch Edelmetall!

Platin als Meterware anzuschaffen und mit einer Biegezange die Ösen selbst zu biegen, ist wohl nur was für wirklich große Labore oder für Freaks.

Diese Probleme stellen sich bei der Verwendung von Einmal-Kunststoffösen nicht. Sie sind stets griffbereit und stets steril

- Man kann diese Ösen durchaus in irgendeinem Behälter senkrecht hinstellen und das jeweilige Tütchen (meistens 10 oder 25 Stck. in einem Tütchen) oben öffnen. Da ist keine Gefahr einer Kontamination gegeben.

- Allerdings sollte man nicht mehrere Tütchen auf einmal öffnen, sondern nur das, welches gerade in Gebrauch ist.

- Man sollte auch auf keinen Fall die Ösen auspacken und lose in den Behälter stellen. Da habe ich schon Fälle erlebt, wo die Ösen mit sporenbildenden Bakterien kontaminiert waren: das Wiederaufarbeiten der Ösen ist vielleicht theoretisch möglich, aber praktisch nicht sicher durchführbar. Auch da habe ich mal erlebt, dass sporenbildende Bakterien auf den Ösen waren und es stellte sich heraus, dass die Ösen nach der Verwendung mit Desinfektionsmittel "sterilisiert" wurden.


2. Frage: 1 µl oder 10 µl?

Wer meine Methode kennt, weiß dass ich dafür plädiere, 100 µ l Urin mit einer Kolbenhubpipette (Eppendorf-Typ) mit den gelben Einmalspitzen aufzubringen. Anschließend wird die Cled-Platte mit der Öse ausgestrichen. Die weiteren Platten sind mit derselben Öse zu beimpfen. Hierzu ist dann auf jeden Fall eine 10 µ l Öse zu verwenden.
Viele Praxen nehmen auch für das Aufbringen des Urins eine Öse. Das geht auch und ich verstehe die Überlegung, dass es für die Handhabung einfacher ist, wenn man für das Aufbringen nicht extra zu einer Pipette greifen muss. Dennoch nicht vergessen: Die Ablesung der Keimzahl ist dann anders.

 Mit der 100 µl Pipette: Jede Kolonie entspricht 10 KBE/ml Urin.
 Mit der 10 µl - Öse: Jede Kolonie entspricht 100 KBE/ml Urin.

Von der anderen Seite aus gesehen bedeutet das: 100 Kolonien auf einer Platte bedeuten eine Keimzahl von 103 falls man die 100 µl Pipette verwendet hat, bedeuten jedoch 104 wenn man die 10 µl Öse verwendet hat.

Oder noch deutlicher: Keimzahlen von 102 bis 103 werden durch Verimpfen mit der 10 µl Öse kaum noch wahrgenommen, d.h. nur als ganz vereinzelte Kolonien. Wegen der besseren Nachweisgrenze bevorzuge ich daher die Pipette.
Benutzt man jedoch auch den besprochenen Gründen eine Öse, so sollte dies unbedingt eine 10 µl Öse sein. Bei einer 1 µl Öse läge die untere Nachweisgrenze bei 1000 = 103 KBE/ml Urin.

Ich will nicht verschweigen, dass manche Mikrobiologen (z.B. beim OIII-Kolloquium in Hannover) behaupten, unter Aufbringung von 100 µl "schwimmt die ganze Platte".
Wer meine Methode ausprobiert hat, der weiß, dass das nicht der Fall ist).

Falls man Metallösen verwendet, sollten sie kalibriert sein, d.h. man sollte wissen, ob 1 µl oder 10 µl Urin hängen bleibt. Darauf ist bei der Anschaffung zu achten. Kalibrierte Ösen sind in der Regel auch verschweißt, d.h. die Öse selbst kann sich nicht öffnen. Täte sie das, würde ungenügend Urin hängen bleiben. Im schlechtesten Fall sogar nichts. Kunststoffösen sind automatisch kalibriert auf 1 oder 10 µl. (Antwort auf eine immer wieder gestellte Frage: Ösen zu 100 µl gibt es nicht.)


Wirtschaftlichkeit

Metallösen

Einmalige Kosten

– Bunsenbrenner

ca. € 50,-

– Platin-Öse

ca. € 40,-

– Ösenhalter

ca. €   8,-

   

Laufende Kosten

– Gaskartusche

ca. €   2,50

– Stahl-Öse

ca. € 10,-

Einmalösen
Für die Kosten der Einmalösen überschlage ich in meinen Modellrechnungen immer ca. 5 Cent.

Es geht allerdings auch noch etwas preiswerter:

In diesem speziellen Fall habe ich sogar ein sehr preiswertes Angebot. Durch Zusammenarbeit mit einer bundesweit tätigen Laborhandel-Firma kann ich Einmalösen zu einem absoluten Tiefstpreis anbieten:

5 x 1000 Ösen für € 155,- (zzgl. ges. MwSt. [zzt. 19%])

Versandkosten kommen nicht mehr dazu.

Im Allgemeinen bin ich kein Freund davon, viel Material zu lagern. Ich meine immer, Lagerhaltung sollten die Vertriebsfirmen betreiben und wir haben es nicht nötig, unser Geld in Vorräte zu investieren. Dazu kommt, dass natürlich die meisten verwendeten Materialien nicht unbegrenzt haltbar sind, z.B. Platten, Eintauchnährböden, Bunte Reihen. Bei Ösen spielt das ja keine Rolle, die verfallen ja nicht. Und die Lagerung ist auch kein Problem. Die Ösen sind verpackt in Tüten, die dann in einem größeren Beutel à 1000 Ösen zusammengepackt sind. Somit nehmen 5000 Ösen bei der Lagerung wenig Platz ein.


ANGEBOT:
5000 Einmalösen – € 155,-

Dieses günstige Angebot ist nur durch einen schlanken Verwaltungsaufwand möglich.
Der Preis ist nicht verhandelbar, außer bei sehr großen Abnahmemengen (z.B. Sammeleinkauf).
Zwischen 10 µl (empfohlen) oder 1 µl (auf Wunsch) kann gewählt oder auch gemischt werden. Bitte bei der Bestellung die Größe angeben.
Bestellungen bitte schriftlich per Fax an 06203 / 6 31 11 (formlos) oder über das >Bestellformular, hier auf unserer Homepage.


1000 bzw. 5000 Ösen

 

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